242 Mitarbeitende, 67 Belegärzte, 5500 stationäre, 11 000 ambulante Patienten: Es sind eindrückliche Zahlen, die CEO Peder Koch nach dem ersten Betriebsjahr der Berit-Klinik in Speicher vorlegt. Die Klinik, sagt er, sei zu einem Wirtschaftsmotor für die Region geworden und strahle positiv in die ganze Schweiz aus. «Es ist uns zudem gelungen, mit den 15 Ärzten der Orthopädie Rosenberg die schweizweit grösste orthopädische Gemeinschaftspraxis im Kanton zu halten, was volkswirtschaftlich und gesundheitspolitisch von grosser Bedeutung ist.» Zur Erinnerung: Die genannte Ärztegemeinschaft gehört in ihrem Fach zur renommiertesten im Land; bis auf eine Ausnahme hat sie die  Hirslanden-Klinik in Heiden verlassen und ist nach Speicher abgewandert. Auch dank dieser Ärztegruppe gehört die Berit-Klinik bereits jetzt zu den drei grössten orthopädischen Kliniken der Schweiz. Was musste Koch der Ärztegruppe bieten, um sie nach Speicher zu locken? «Wir haben es nicht nötig, Ärzte und Mitarbeitende abzuwerben. Wir wollen mit unserer Kultur und Leistung erreichen, dass man hier arbeiten will.» Dies scheint zu gelingen: In der Berit-Klinik gibt es laut Koch Wartelisten mit Fachpersonen, die sich spontan beworben haben.

 

«Wir haben es nicht nötig, Ärzte und Mitarbeitende abzuwerben.»
Peder Koch, CEO Berit-Klinik Speicher

 

Der 48-jährige Peder Koch ist als Bauernbub im Unterengadin aufgewachsen. Nach einer Banklehre berief ihn der damalige Gemeindepräsident auf den Posten des Gemeindeschreibers seiner Heimatgemeinde Ramosch, anschliessend wurde er Vizedirektor des Regionalspitals Scuol. Dann machte Peder Koch einen Abstecher in die Weinbranche: Für die Balgacher Weinkellerei Emil Nüesch baute er in verschiedenen Ländern bis nach Australien das internationale Geschäft auf. Anschliessend trat er als Geschäftsleitungsmitglied in die Schulthess-Klinik Zürich ein und kam 2008 als Geschäftsführer in die Berit-Klinik Niederteufen. Berufsbegleitend absolvierte er ein betriebswirtschaftliches Studium an der Akademie St.Gallen, anschliessend erlangte er einen Master der ZHAW Winterthur. Seine Masterarbeit trug den Titel «Strategie der Berit Paracelsus Klinik AG». Und diese Strategie werde jetzt in Speicher in jedem Punkt umgesetzt.

 

Eröffnung am 1. März 2016: Peder Koch in seinem Büro in der Berit-Klinik in Speicher.

 

Seit Jahren auf den vordersten Rängen

Während die Privatklinik weit über Erwarten gestartet ist («von null auf 300»), fährt das öffentliche Gesundheitswesen alarmierende Defizite ein, ganze Teile drohen wegzubrechen. Welches sind die Erfolgsrezepte des Peder Koch? «Über allem stehen die Patienten- und die Mitarbeiterzufriedenheit», sagt er. Konzentration auf die Qualität, eine «glasklare Strategie» und Kontinuität im Management nennt er als weitere Kriterien. «Meine Mitarbeitenden bilden eine Einheit, in der sich jeder für jeden einsetzt und alle hinter der Philosophie des Chefs stehen.» Aber daran müsse man arbeiten, und zwar täglich, zum Beispiel mit stufengerechter Kommunikation: «Niemand darf übergangen werden, unzufriedene oder gar verängstigte Angestellte können keine 100-prozentige Leistung mehr bringen.» Mit seinem Kader pflegt Peder Koch Austauschanlässe, er geht auch regelmässig durch die Klinik und spricht mit allen Mitarbeitenden, denn für ihn gilt: «Der Chef muss vor Ort sein.» Es gehe darum, den Fokus richtig zu setzen. «Dieser kann nicht alleine beim VR-Präsidenten oder CEO liegen, die Leitung eines Betriebes ist nicht dazu da, sich selbst zu verwirklichen.» Sie habe dafür zu sorgen, dass die Grundlage stimme, die dem Patienten die bestmögliche Behandlung garantiere. Kochs Führungsstil ist ein partizipativer, er scheue sich aber nicht, wenn nötig auch harte Entscheide zu fällen. «Das Führen von Menschen», sagt er, «kann man nicht lernen, entweder man hat die Empathie oder man hat sie nicht. Und das spürt der Mitarbeiter.»

Trotzdem gibt es auch in der Berit-Klinik ab und zu unzufriedene Patienten. Diese werden zu einem Gespräch mit Koch und seinem Team eingeladen, allfällig Unzulänglichkeiten möglichst sofort behoben. Die Berit-Klinik steht allerdings in den nationalen, anonymen Patientenbefragungen schon seit Jahren stets auf den vordersten Rängen. «Aber selbstverständlich passieren auch hier Fehler. Wir haben zu Beginn das eine und andere falsch eingeschätzt. Wichtig ist, dass man in diesem Fall sofort reagiert.»

Privatkliniken gelten als Rosinenpicker des Gesundheitswesens. Diesen Vorwurf weist Koch weit von sich. «Wir haben es nicht einfacher als ein anderes Spital; dieses hat zwar zusätzliche Aufgaben, es muss zum Beispiel eine Notfallstation betreiben, was organisatorisch hohe Ansprüche stellt.» Aber der Notfall sei letztlich einfach eine Abteilung. «Unser stationärer Teil ist mit jenem eines Zentrumsspitals eins zu eins vergleichbar.»

 

Vorsprung von fünf Jahren auf allen Ebenen

Die alte Berit-Klinik in Teufen wird derzeit umgebaut; bis Ende Jahr soll sie für Rehabilitation und Übergangspflege bereitstehen und rund 40 neue Arbeitsplätze bieten. Was wünscht Peder Koch seiner Klinik zum Geburtstag? «Wir haben auf allen Ebenen einen Vorsprung von rund fünf Jahren erreicht. Ich wünsche mir, dass wir diesen bewahren können, denn wir sind daran, eine Erfolgsgeschichte par excellence zu schreiben.»

Es klopft an die Bürotür. Vier neue Mitarbeiterinnen sind auf einer Vorstellungsrunde im Haus unterwegs und gelangen so auch zum Chef. Die Journalistin ist auf der Stelle vergessen: Peder Koch steht auf, heisst die Frauen willkommen und plaudert mit ihnen. Auf seinem nächsten Rundgang durch den Betrieb wird er ihre Namen garantiert noch wissen.

 

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