Sie besteht aus fünf Abschnitten, 24 Wirbeln, 23 Bandscheiben und weist eine doppelte S-Krümmung auf: die menschliche Wirbelsäule. Ihre wichtigsten Aufgaben sind es, die Last von Kopf, Armen und Rumpf zu tragen und den Rumpf aufrecht zu halten. Die Wirbelsäule ist ein sehr bewegliches und komplexes Organ, das vielen Belastungen ausgesetzt ist. Die Ursachen von Wirbelsäulenbeschwerden sind vielfältig, deren Behandlungsmethoden ebenfalls. Sie reichen von konservativen Massnahmen bis zu operativen Eingriffen.

Am kommenden Samstag, 11. November, lädt die Berit Paracelsus-Klinik in Speicher zu einem Vormittag rund um das Thema «Patientensicherheit in der Wirbelsäulenchirurgie» ein. In drei informativen Vorträgen erfahren Sie Wissenswertes zur Patientensicherheit rund um die Narkose, die operative Behandlung und die Nachbehandlung. Initiantin des Anlasses ist PD Dr. med. Friederike Lattig. Sie ist seit 2015 Chefärztin des Wirbelsäulenzentrums in der Berit Paracelsus-Klinik in Speicher und ausgewiesene, erfahrene Spezialistin in ihrem Fachgebiet.

Die Initianten der öffentlichen Vorträge: Peder Koch, CEO/Delegierter des Verwaltungsrates Berit Paracelsus-Klinik, PD Dr. med. Friederike Lattig, Chefärztin Wirbelsäulenchirurgie

 

Was fasziniert Sie am meisten an der Wirbelsäulenchirurgie?

PD Dr. med. Friederike Lattig: Die Wirbelsäulenchirurgie ist eine hochspezialisierte medizinische Disziplin mit einem sehr breiten Spektrum von Behandlungstechniken. So gehört beispielsweise die filigrane Arbeit mit dem Mikroskop genau so zu meinen Aufgaben wie das dosiert kraftvolle Handwerk. Hilfreich sind dabei das Know-how aus der allgemeinen Orthopädie, der Chirurgie und Kenntnisse der Biomechanik. Ich behandle Patienten jeden Alters: vom Kleinkind bis zu Menschen fortgeschrittenen Alters. Die Ursachen von therapiebedürftigen Beschwerden und Erkrankungen sind so breit gefächert wie deren Behandlungsmethoden. Diese Vielfalt fasziniert mich besonders an meinem Beruf.

 

Welche Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule stehen im Fokus Ihres Fachgebietes?

Friederike Lattig: Im Fokus meines Fachbereichs stehen in erster Linie Erkrankungen, aber auch Verletzungen der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule. Im Speziellen sind dies Verschleisserscheinungen und Instabilitäten, Verengungen des Spinalkanals, aber auch Wirbelsäulendeformitäten, Infektionen, Tumore und rheumatologische Erkrankungen.

 

Rückenleiden und damit verbundene Operationen lösen bei den Betroffenen und ihrem Umfeld oftmals grosse Ängste und Unsicherheit aus. Wie hat sich die Patientensicherheit in der Wirbelsäulenchirurgie in den letzten Jahren verändert?

Friederike Lattig: Die Patientensicherheit hat sich in den letzten Jahren sehr zugunsten der Patientinnen und Patienten verändert. So werden beispielsweise die Abklärungsmöglichkeiten zur Diagnosestellung immer feiner, und die operativen Techniken können differenzierter und gezielter eingesetzt werden. Dazu kommt, dass die weltweite Vernetzung von Spezialisten zu einem hilfreichen Erfahrungsaustausch führt, was wiederum den Patienten zugute kommt. Auch die eingesetzten Implantate werden stetig weiterentwickelt und optimiert. Und schliesslich wird auch mehr auf die Vor- und Nachbehandlung fokussiert als früher. Tatsächlich ist es aber so, dass ich in meiner Sprechstunde oft mit Ängsten und Unsicherheit konfrontiert werde. Deshalb organisieren wir die öffentlichen Vorträge rund um das Thema Patientensicherheit in der Wirbelsäulenchirurgie. Es ist uns ein grosses Anliegen, zu informieren, aufzuklären und die Ängste der Betroffenen abzubauen.

 

Weshalb soll ich mich als Patient mit Wirbelsäulen-Leiden in der Berit Paracelsus-Klinik behandeln lassen?

Peder Koch: Mit Frau PD Dr. med. Friederike Lattig konnten wir eine ausgewiesene Spezialistin in diesem hochspezialisierten Fachgebiet gewinnen. Sie ist dank ihrer langjährigen und fundierten Erfahrung aus diversen renommierten Wirbelsäulenzentren und Unikliniken in der Lage, auch komplexe Fälle in diesem Fachbereich zu übernehmen. Unsere Patientinnen und Patienten, egal ob Kinder oder Erwachsene, sind bei ihr und ihrem Team in besten Händen.

 

Sie decken das gesamte Spektrum der konservativen und chirurgischen Behandlungen ab. Wo sind die Grenzen einer konservativen Behandlung bzw. wann ist eine operative Behandlung nötig?

Friederike Lattig: In vielen Fällen können Wirbelsäulenleiden konservativ behandelt werden, also mit nichtoperativen Massnahmen wie Schmerztherapie, Physiotherapie oder durch eine gezielte Infiltration. Halten die Beschwerden jedoch an und kann mit konservativen Massnahmen keine ausreichende Schmerzlinderung erreicht werden, prüfen wir die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs. In den meisten Situationen ist keine rasche Operationsplanung erforderlich und es ist möglich, konservative Massnahmen umfassend auszuschöpfen. Dringend empfohlen ist eine Operation beispielsweise nur bei eingetrenen oder drohenden erheblichen Lähmungserscheinungen oder bei instabilen Wirbelbrüchen. Schlussendlich erfolgt die Entscheidung für eine Operation aber immer gemeinsam mit dem Patienten.

 

Wie gehen Sie bei der Behandlung Ihrer Patientinnen und Patienten vor?

Friederike Lattig: Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Behandlung, egal ob konservativ oder operativ, ist eine für jeden Patienten individuell zugeschnittene Therapieplanung.

In jedem Fall sind zuerst eine genaue Befragung des Patienten, eine gründliche Abklärung seiner Vorgeschichte und eine detaillierte klinische Befunderhebung erforderlich. So gewinnen wir einen umfassenden Einblick in das individuelle Krankheitsbild. Dabei ist auch eine Kooperation mit der Hausärztin oder dem Hausarzt und eventuell weiteren Spezialisten wie Neurologen, aber auch den behandelnden Physiotherapeuten sehr wichtig. Speziell im Bereich der Wirbelsäule müssen Entscheidungen für einen chirurgischen Eingriff vorsichtig und in Anbetracht aller Faktoren getroffen werden.

 

Was ist bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Wirbelsäulen-Leiden besonders wichtig?

Friederike Lattig: Der menschliche Bewegungsapparat ist sehr komplex und es reicht nicht aus, den Fokus nur auf die Wirbelsäule zu legen. Der gesamte Bewegungsablauf, die Statik und das Zusammenspiel der Wirbelsäule mit den angrenzenden Gelenken der Extremitäten müssen bei der Diagnosestellung und Behandlungsplanung berücksichtigt werden. Auch psychische Probleme können sich in Rückenschmerzen äussern, so dass ferner Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen wichtig sind. Wenn eine Operation geplant wird, dann sind natürlich auch andere Erkrankungen von Herz und Lunge, Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder neurologische Erkrankungen mit einzubeziehen.

 

Die Berit Paracelsus-Klinik legt viel Wert auf Qualität und bildet neu auch Assistenzärzte aus. Weshalb ist das besonders in der Wirbelsäulenchirurgie wichtig?

Peder Koch: Wer aufgehört hat besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein. Getreu dieser Maxime definieren wir höchste Qualität für uns als bestmögliche medizinische, pflegerische und therapeutische Leistung. Daher setzen wir neben einer sehr guten Ausbildung auf regelmässige Fort- und Weiterbildungen unserer Mitarbeitenden. Als wichtiger Leistungserbringer für die Region ist es für uns von zentraler Bedeutung, dass die Kompetenz weitergegeben wird. Gerade bei der Wirbelsäulenchirurgie handelt es sich um eine sehr komplexe Fachrichtung, die viel Erfahrung voraussetzt, auch in anderen Gebieten. Nur wenn die erfahrenen Spezialisten ihr Wissen an die nächste Ärztegeneration weitergeben, können wir den Qualitätsansprüchen von Morgen gerecht werden.

PD Dr. med. Friederike Lattig bei einer Sprechstunde.

 

Mit der Total-Renovation und der Wieder-Inbetriebnahme des ehemaligen Standortes in Teufen wird der Kompetenzbereich Rehabilitation gestärkt und deutlich ausgebaut. Inwiefern profitieren die Patientinnen und Patienten der Berit Paracelsus-Klinik von dem erweiterten Angebot?

Peder Koch: Die Rehabilitation nimmt bei der Berit Paracelsus-Klinik einen hohen Stellenwert ein. Wir verfügen als einzige Klinik in der Schweiz über die beiden Leistungsaufträge Akutmedizin und Rehabilitation und bieten beides aus einer Hand an. Nach einer Operation ist es wichtig, dass eine auf den Patienten individuell abgestimmte Rehabilitation stattfindet. Mit unserer Klinik in Teufen, die am 1. Feburar 2018 nach einer Totalsanierung wieder in Betrieb genommen wird, stärken wir den Bereich Rehabilitation nachhaltig. So können wir sicherstellen, dass die gesamte Behandlungskette in der gleichen Organisation «unité de doctrine» durchgeführt werden kann. Damit können wir die Qualität im gesamten Behandlungs- und Therapieverlauf auf höchstem Niveau sicherstellen.

 

Wo sind die Grenzen der Wirbelsäulenchirurgie heute?

Friederike Lattig: Wir können einen eingetretenen Schaden nur reparieren beziehungsweise seine Folgen auf ein möglichst geringes Mass bergrenzen und eine Verbesserung des aktuellen Zustandes erzielen. Wir können die Wirbelsäule aber nicht erneuern. Ein wesentlicher Faktor für die Zufriedenheit der Patienten ist eine realistische Erwartung, was mit einer Behandlung erreicht werden kann.

 

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