SPEICHER. Es ist ein Grossprojekt sondergleichen. Nicht nur für die Gemeinde im Appenzeller Mittelland, sondern für die gesamte Region. Die Berit-Klinik zieht dieser Tage von Teufen nach Speicher und verdoppelt gleichzeitig ihre Kapazität von aktuell 50 auf 100 Betten.

Berit-Klinik expandiert
Die auf Orthopädie spezialisierte Berit Paracelsus-Klinik AG wirtschaftet in einem Wachstumsmarkt. Knapp 3000 Eingriffe führte sie im vergangenen Jahr durch – damit hat sich die Zahl gegenüber 2008 vervierfacht. Entsprechend ambitioniert wird geplant. «In der neuen Klinik werden wir die Anzahl Operationen in den nächsten drei Jahren verdreifachen», sagt Klinikdirektor Peder Koch. Mit den künftigen Fallzahlen im Bereich Endoprothetik, beispielsweise künstliche Hüftgelenke, werde die Berit-Klinik landesweit zu den Top 3 gehören – neben der Schulthess Klinik in Zürich und dem Merian Iselin Spital in Basel.

Im vergangenen Jahr beschäftigte die Berit-Klinik in Teufen 120 Mitarbeitende und 27 Belegärzte, in Speicher sollen es 200 Mitarbeiter und 48 Beleg- und Konsiliarärzte sein. Erfreulicherweise habe man alle zusätzlichen Stellen ohne das Schalten von Stelleninseraten besetzen können, so Koch. Obwohl der Arbeitsmarkt im Gesundheitsbereich «ausgetrocknet» sei.

Mehr Konkurrenz
Anders formuliert bedeutet das: Ein gewichtiger Player im Ostschweizer Gesundheitsmarkt legt weiter zu. Damit dürfte sich der Konkurrenzkampf um Fachkräfte noch verschärfen. «Die Eröffnung der neuen Berit-Klinik bedeutet, dass ein weiterer Konkurrent sein bisheriges Angebot erweitert und modernisiert hat», sagt Philipp Lutz, Mediensprecher des Kantonsspitals St. Gallen. Der Bedarf an Fachpersonal etwa in den Bereichen Notfall, Intensivpflege, Onkologie und Anästhesiologie sei generell hoch. «Wir profitieren davon, dass wir als Zentrumsspital in der Region sehr viele interessante Aufgaben anbieten können», sagt Lutz. «Aber der Konkurrenzdruck von privaten Anbietern nimmt langsam zu.»

Überzeugt vom Belegarztprinzip
Ein weiteres Schwergewicht im Ostschweizer Gesundheitsmarkt ist der Hirslanden-Verbund. Dieser unterhält das Akutspital Stephanshorn in St. Gallen und die Klinik am Rosenberg in Heiden. Im Hinblick auf die Eröffnung der neuen Berit-Klinik gibt man sich gelassen. «Die Klinik am Rosenberg ist seit über 30 Jahren das orthopädische Zentrum der Ostschweiz», sagt Hirslanden-Sprecher Claude Kaufmann. «Die Klinik hat sich in all den Jahren im überkantonalen Wettbewerb behauptet und wird dies auch weiterhin erfolgreich tun.» Wie Berit setzt auch Hirslanden auf die Beschäftigung von freiberuflichen Belegärzten.

Dazu zählt etwa die St. Galler Gemeinschaftspraxis Orthopädie Rosenberg, die sich vergangenen Herbst entschlossen hat – nebst dem bisherigen Engagement für die beiden Hirslanden-Standorte –, ab März auch für die Berit-Klinik tätig zu sein. «Hirslanden ist vom Belegarztprinzip überzeugt», sagt Kaufmann. «Es entspricht dem freiberuflichen Grundgedanken des Arztberufes.» Das Belegarztsystem erlaube ein breites Spektrum an spezialisierten Leistungen, und die Patienten könnten den Arzt ihres Vertrauens wählen.

Steigende Gesundheitskosten?
Dass der Ärztemangel insgesamt zu höheren Gesundheitskosten führen könnte, glaubt Kaufmann nicht: «Die Gesundheitskosten sind nach unserer Ansicht durch andere Faktoren bestimmt.» Hingegen ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine erhöhte Nachfrage nach Fachkräften der freien Ärzteschaft Verhandlungsvorteile verschafft. Angesprochen auf die Auswirkung des Fachkräftemangels auf den Gesundheitsmarkt sagt Berit-Chef Peder Koch: «Wenn Angebot und Nachfrage nicht im Einklang stehen, verhält es sich im Gesundheitswesen wie in anderen Branchen.»

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