Zwischen Risiko und Verantwortung - Interview stgallen24


Die Olympischen Winterspiele 2026 in Norditalien sind am 22. Februar zu Ende gegangen. Für die Athleten waren es zwei intensive Wochen, für das Medical Team von Swiss Olympic ein logistischer und medizinischer Kraftakt. Hanspeter Betschart, Chief Medical Officer von Swiss Olympic und Chefarzt der Berit Sportclinic, zieht Bilanz und spricht über Infekte, Verletzungen, Grenzentscheide und darüber, was sich im Spitzensport strukturell verändern muss.
Herr Betschart, wenn Sie auf die zwei Wochen zurückblicken: Was waren die drei grössten medizinischen Risiken, die sich tatsächlich gezeigt haben, und was wurde im Vorfeld überschätzt?
Die Prävention vor Infekten war wie immer an Olympischen Spielen eines der Hauptthemen. Wenn Athleten aus verschiedensten Ländern im Winter auf engem Raum zusammenkommen, ist das Risiko hoch. Das hat sich bestätigt. Wir hatten etwa den einen Norovirus-Fall im Schweizer Frauen Eishockey-Team, den wir dank rascher Massnahmen schnell in den Griff bekommen haben, ohne weitere Fälle. Es zeigt sich auch nach Covid: Infekte gehören rund um Olympische Spiele zu den zentralen medizinischen Herausforderungen.
Das zweite Risiko betrifft die Sportarten mit hohem Verletzungspotenzial. In Disziplinen wie Eishockey oder Ski Freestyle kam es zu Verletzungen, wodurch einige Sportler ihre Wettkämpfe leider nicht wie geplant fortsetzen konnten.
Was man eher unterschätzt, sind normale medizinische Vorkommnisse. Wenn so viele Athleten, Staff-Mitglieder und Betreuungspersonen vor Ort sind, können auch bei ihnen medizinische Probleme auftreten, die nichts mit dem Wettkampf selbst zu tun haben. Auch das gehört an Olympischen Spielen dazu.