Doch offenbar fiel sein Potenzial dem nebenamtlichen Gemeindepräsidenten seiner Heimatgemeinde Ramosch schon früh auf. Zuerst holte er ihn nach der Banklehre als Gemeindeschreiber, wo Peder Koch die Verwaltung innert sieben Jahre auf Vordermann brachte, und danach als Vizedirektor ans Regionalspital in Scuol. Berufsbegleitend absolvierte er ein betriebswirtschaftliches Studium an der Akademie St.Gallen. Danach zog er ins Rheintal und baute für die Weinkellerei Emil Nüesch das internationale Geschäft mit Niederlassungen in verschiedenen Ländern wie Italien, Australien und England auf und lernte so fremde Kulturen kennen.

«Ich weiss, was ich will»
Schliesslich kehrte er bei der renommierten Schulthess Klinik in Zürich als Mitglied der Geschäftsleitung ins Gesundheitswesen zurück. Dann erhielt er den Ruf als Geschäftsführer der Berit Klinik in Niederteufen. Da hatte er bereits klare Visionen. Im Rahmen seiner Masterarbeit hatte er für die Berit Klinik eine Qualitätsstrategie entwickelt. «Ich konnte den Besitzer damit überzeugen und durfte die Strategie konsequent umsetzen.» Innerhalb weniger Jahre wuchs der Mitarbeiterbestand von 40 auf 120 Personen und die Zahl der Operationen von 500 auf 3000 im Jahr.

Als er 2008 seine ambitionierten Ziele im ersten Interview bekannt gab, sei er noch belächelt worden. «Heute klopfen mir alle auf die Schultern.»

Mit dem Umzug nach Speicher ist der Mitarbeiterbestand schlagartig auf 200 Personen angewachsen, und mit 6’000 Operationen gehört die neue Klinik zu den Top 3 der orthopädischen Kliniken in der Schweiz (bezogen auf die Anzahl Hüft- und Kniegelenktotalprothesen). Dass er seine ursprünglichen Ziele nicht in Teufen umsetzen konnte, hat er weggesteckt: «Was wir hier realisieren konnten, wäre in Teufen gar nicht möglich gewesen».

Peder Koch sagt von sich, er sei ein emotionaler Mensch. Zwar habe er immer klare Ziele vor Augen, führe aber mit Herz und Verstand und gehe mit Begeisterung voran. Täglich sei er in der Klinik unterwegs, schüttle Hände und kenne mittlerweile die meisten Mitarbeitenden persönlich beim Namen.

Einen emotionalen Höhepunkt erlebte er am 1. März, dem Tag, als in der neuen Klinik erstmals operiert wurde. Bereits morgens um 3 Uhr hielt er es zuhause nicht mehr aus und fuhr nach Speicher. Der Start «von null auf hundert» sei Dank einjähriger Vorbereitung rundum geglückt. Dass sich das Team von seiner Begeisterung anstecken liess und ihm «mit überdurchschnittlichem Einsatz» folgte, sei für ihn das schönste Geschenk gewesen.

Das Ende der Fahnenstange ist für ihn aber noch nicht erreicht. «Stillstand ist Rückschritt. Man soll zwar im Moment leben, aber nie die Zukunft aus dem Auge verlieren.» Wohin die Reise geht, verrät er nicht. Für Teufen wünsche er sich, dass sich aus dem leerstehenden Klinikgebäude noch «etwas Gutes» machen lassen könne: «Dann wären alle zufrieden.» Denn Teufen bleibe seine Wohngemeinde, wo er und seine Familie sich wohlfühlen.

Nie vergessen, woher man kommt
In solchen Erfolgsmomenten dürfe man jedoch den Boden nicht unter den Füssen verlieren – und nie vergessen, woher man komme, und soll der bleiben, der man ist: «Ich bin ein Bauernbub aus ganz einfachen Verhältnissen und habe von meinen Eltern zwei wichtige Dinge bekommen: gute Erziehung und Liebe.»

In seiner rätoromanischen Heimat tankt er denn auch auf. In Ramosch, wo er bereits als junger Musikant den heimischen Musikverein präsidierte, hat er das Bauernhaus, wo er aufgewachsen ist, für seine Eltern und seine Familie umgebaut und verbringt sommers und winters den grössten Teil seiner Freizeit und Ferien mit seiner Familie im Engadin.

Peder Koch
Geboren: 1.6.1969 in Scuol, GR
Heimatort: Ramosch GR
In Teufen seit: 2008
Familie: verheiratet, 2 Kinder
Erlernter Beruf: Banklehre, später betriebswirtschaftliches Studium an der Akademie St. Gallen, Masterabschluss FHAW Zürich
Heute tätig als: CEO/Direktor Berit Paracelsus-Klinik
Lieblingsessen: Spaghetti aglio, olio e peperoncini
Lieblingsgetränk: Guter Rotwein
Musikvorlieben: querbeet: von Volksmusik, Schlager bis Klassik
Buch auf dem Nachttisch: Walter Isaacson Steve Jobs («Einschränkung: So möchte ich nicht führen»)
Hobbys: Wintersport und Wandern mit der Familie im Engadin
Lebensmotto: Nie vergessen, woher man kommt – und nie die Zukunft aus den Augen verlieren.

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