Dass er nicht ausgeschlafen ist, spürt man nicht: Fast im Laufschritt führt der gebürtige Bündner den Journalisten durch die sechs Stockwerke des Neubaus, gibt da dem Maler eine Anweisung, wo noch etwas Farbe fehlt, dort einen diskreten Hinweis an das Pflegepersonal, das einen Rollwagen mit Bettwäsche im Gang vergessen hat. Und immer wieder begrüsst er Mitarbeiter mit einem herzlichen Grüezi und nimmt sich Zeit für ein kurzes Gespräch. Am meisten freut ihn, dass die Belegschaft sich von seiner Begeisterung anstecken liess und voll mitzieht. Für einige von ihnen bedeutet der 1. März den ersten Arbeitstag.

„Das ist ein emotionaler Tag“, sagt er später. Fünf Jahre habe er auf diesen Tag hin gelebt, nun sei das Gefühl der „Ernte“ einfach überwältigend. Am Donnerstag wurden in Teufen noch letztmals operiert. Am Montag war der Umzug abgeschlossen. „Wir hatten ein Jahr Vorlaufzeit, alles war akribisch geplant und wurde generalstabsmässig durchführt. Jetzt ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Dafür möchte ich allen danken, die mich durch diese intensive Phase begleitet haben.“

Teufner war der erste Patient
Punkt 08.00 Uhr war heute Morgen die erste Operation – und der erste Patient von Professor Gächter war ein Teufner: Niklaus Fäh liess sich eine Hüftprothese einbauen. Bereits um 09.02 Uhr war die Operation erfolgreich beendet, der nächste Patient an der Reihe,  und Niklaus Fäh gab den lokalen Medien Interviews. „Bis um 16 Uhr werden wir 20 Patienten operiert haben“, sagt Peder Koch – und erinnert daran, dass in den Anfängen in Teufen gerade mal 50 Operationen gezählt wurden – in einem ganzen Monat. Damals, 2008, zählte die Berit Paracelsus-Klinik zwischen 40 und 50 Angestellte, jetzt sind es 200 und nach der Inbetriebnahme der Bellevista-Klinik werden es rund 220 sein. Und die Klinik weist für das nächste halbe Jahr bereits eine „sensationelle Auslastung“ aus. Allein im März sind bereits 130 Operationen geplant.

Zweitgrösste – und modernste Klinik in ihrem Fach
Allein in den vier OP-Sälen arbeiten 60 hochqualifizierte Mitarbeiter mit den Belegärzten zusammen und greifen neben modernsten Apparaten auf die modernsten Mittel der Elektronik zurück, wie digitale Patientenakte oder Video-Direktübertragung in Schulungsräume. „Mit diesem Tag sind wir die zweitgrösste orthopädische Klinik der Schweiz – gemessen an der Zahl endoprothetischer Eingriffe (Hüftgelenke und andere Implantate im Bewegungsapparat) und mit Sicherheit die modernste. Wir haben einen Vorsprung von mindestens 5 bis 6 Jahren auf andere Spitäler.“

„Alles hat sich zum Guten gewendet“
Die anfängliche Enttäuschung, dass die Neubaupläne nicht in Teufen realisiert werden konnten, ist gewichen. „Alles hat sich zum Guten gewendet. Heute sehen wir, dass dieses 100-Mio-Bauvolumen – umgerechnet 70 Einfamilienhäuser – am alten Standort in Teufen gar nicht möglich gewesen wäre.“ Schwungvoll führt er uns über eine riesige Treppe – „das Treppenhaus ist so hoch wie der Kirchturm von Speicher“ – vom ebenso grosszügigen Empfang im Erdgeschoss zu den Bettenstationen, den Therapieräumen, den Operationssälen oder dem Therapiebad und den Trainingsgeräten.

Zwischen den beiden Gebäuden in Teufen und Speicher liegen Welten. Die neue Klinik strahlt Grosszügigkeit aus – auch in der allgemeinen Abteilung scheint alles einen Tick grösser als die Norm. „Unsere Patienten sind ja nicht krank, sie sollen ein Erlebnis haben und sich nach dem Eingriff wohlfühlen wie in einem guten Hotel und nicht wie einem Spital.“

Im Erdgeschoss ist die Administration untergebracht, wo er in einem grosszügigen Büro mit riesigem Besprechungstisch und Panoramablick auf den Kirchhügel von Speicher residiert.

Und ein paar Schritte weiter ist das öffentliche Restaurant, wo alle wichtigen Chargen von Leuten besetzt sind, die mindestens in einem 15-Punkte-Haus gearbeitet haben, wie Peder Koch stolz vermerkt.

Einweihung Ende April
Die Eröffnung wird Ende April mit geladenen Gästen und der Öffentlichkeit gefeiert. Am Samstag, 30. April ist die Bevölkerung zu einem Tag der offenen Tür eingeladen.

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