Dass er nicht ausgeschlafen ist, spürt man nicht: Fast im Laufschritt führt der gebürtige Bündner den Journalisten durch die sechs Stockwerke des Neubaus, gibt da dem Maler eine Anweisung, wo noch etwas Farbe fehlt, dort einen diskreten Hinweis an das Pflegepersonal, das einen Rollwagen mit Bettwäsche im Gang vergessen hat. Und immer wieder begrüsst er Mitarbeiter mit einem herzlichen Grüezi und nimmt sich Zeit für ein kurzes Gespräch.

«Das ist ein emotionaler Tag», sagt er später. Fünf Jahre habe er auf diesen Tag hin gelebt, nun sei das Gefühl der «Ernte» einfach überwältigend. Am Donnerstag wurde in Teufen letztmals operiert. Am Montag war der Umzug abgeschlossen. «Wir hatten ein Jahr Vorlaufzeit, alles war akribisch geplant und wurde generalstabsmässig durchgeführt. Jetzt ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Dafür möchte ich allen danken, die mich durch diese intensive Phase begleitet haben.»

Teufner war der erste Patient
Punkt 08.00 Uhr war am 1. März die erste Operation – und der erste Patient von Professor André Gächter war ein Teufner: Niklaus Fäh erhielt eine Hüftprothese. Bereits um 09.02 Uhr war die Operation erfolgreich beendet, der nächste Patient an der Reihe, und Niklaus Fäh gab den lokalen Medien Interviews. «Bis um 16 Uhr werden wir 20 Patienten operiert haben», sagt Peder Koch – und erinnert daran, dass in den Anfängen in Teufen gerade mal 50 Operationen gezählt wurden – in einem ganzen Monat.

Modernste Klinik in ihrem Fach
Allein in den vier OP-Sälen arbeiten 60 hochqualifizierte Mitarbeiter mit den Belegärzten zusammen und greifen auf die modernsten Mittel der Elektronik zurück, wie digitale Patientenakte oder Video-Direktübertragung in Schulungsräume. «Mit diesem Tag sind wir die drittgrösste orthopädische Klinik der Schweiz – gemessen an der Zahl endoprothetischer Eingriffe (Hüft- und Kniegelenktotalprothesen) und mit Sicherheit die modernste. Wir haben einen Vorsprung von mindestens 5 bis 6 Jahren.»

«Alles hat sich zum Guten gewendet»
Die anfängliche Enttäuschung, dass die Neubaupläne nicht in Teufen realisiert werden konnten, ist gewichen. «Alles hat sich zum Guten gewendet. Heute sehen wir, dass dieses 100-Mio-Bauvolumen auf der Vögelinsegg am alten Standort in Teufen gar nicht möglich gewesen wäre.» Die neue Klinik strahlt Grosszügigkeit aus – auch in der allgemeinen Abteilung scheint alles einen Tick grösser als die Norm. «Unsere Patienten sind ja nicht krank, sie sollen ein Erlebnis haben und sich nach dem Eingriff wohlfühlen wie in einem guten Hotel und nicht wie einem Spital.» Die Eröffnung wird Ende April mit geladenen Gästen und der Öffentlichkeit gefeiert. Am Samstag, 30. April ist die Bevölkerung zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. www.klinik.ch

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